Nachhaltige BeschaffungFachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Torfminderung in der öffentlichen Beschaffung

Nachhaltiges Grünflächen- und Liegenschaftsmanagement schließt die Auswahl von Erden und Substraten mit ein. Bei der Beschaffung von Produkten und der Auftragsvergabe an Dienstleister können hier entscheidende Weichen in Richtung Klimaneutralität gestellt werden. Dabei gilt es, den Einsatz von torfhaltigen Erzeugnissen nach Möglichkeit ganz zu vermeiden.


Die Verwendung von torfhaltigen Erden setzt in erheblichem Maße CO2 frei, denn in Moorböden ist im Vergleich zu Wäldern ein Vielfaches an Kohlenstoff gespeichert. Doch anders als Holz zählt Torf aufgrund seiner sehr langen Entstehungszeit nicht zu den nachwachsenden Rohstoffen. Der Gebrauch jeglicher Produkte, die Torf enthalten, trägt deshalb zur Erderwärmung bei. Darüber hinaus führt Torfabbau in anderen Ländern, aus denen Deutschland Torf importiert, zur Zerstörung einmaliger Naturlandschaften und der dortigen Artenvielfalt. Ein Ausstieg aus der Torfnutzung ist somit auch ein Beitrag zum globalen Moorbodenschutz.

Handlungsfelder für den Einsatz torffreier Erden

Im Zuständigkeitsbereich der öffentlichen Hand und ihrer Liegenschaften werden torfhaltige Erden in folgenden Bereichen eingesetzt:

  • Wechselbepflanzungen
  • Park- und Flächengestaltung
  • Bodenverbesserung
  • Sportrasen
  • Straßenbegrünung (Kübel, Ampeln, Fensterkästen)
  • Zimmerpflanzen in Gebäuden, z.B. für Innenraumgestaltung oder Veranstaltungsdekoration

Torffreie Produktalternativen

Auf dem Markt sind bereits zahlreiche verschiedene torffreie Substrate verfügbar. Als Torfalternativen im GaLaBau eignen sich vor allem:

  • Grüngutkompost
  • Holzfasern
  • Kokosprodukte
  • Reis- & Dinkelspelzen
  • Rindenhumus

Diese Torfersatzstoffe sind derzeit am gebräuchlichsten und im Handel erhältlich. Grundsätzlich eignen sich aber auch andere Rohstoffe, wie z.B. Flachsschäben oder Miscanthusstroh. In Zukunft könnten weitere Materialien aus Landwirtschaft und Paludikultur (Landwirtschaft auf nassen Flächen) eine Rolle spielen, wie z.B. Torfmoose.

In den meisten Fällen wachsen Pflanzen in torffreien Substraten – die richtige Mischung und eine abgestimmte Bewässerung und Düngung vorausgesetzt – ebenso gut wie in torfhaltigen. Derzeit sind die Potenziale der Torfersatzstoffe bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Rein mengenmäßig würden sie ausreichen, um die Torfnutzung in Deutschland komplett zu ersetzen.

Kommunale Grüngutkonzepte

Im Sinne einer lokalen Kreislaufwirtschaft gewinnt die kommunale Grüngutkompostierung zunehmend an Bedeutung. Zur Herstellung von Grüngutkompost wird vor allem Laub und regionaler Gras-, Strauch- und Heckenschnitt eingesetzt. Um torfhaltige Erden aber dauerhaft ersetzen zu können, werden ganz erhebliche Mengen an substratfähigen Komposten benötigt. Städte und Gemeinden können deshalb eine individuelle, auf ihre Situation zugeschnittene Analyse durchführen und entsprechende nachhaltige Grüngutkonzeptionen erarbeiten.

Umweltkriterien in Satzungen & Verordnungen

Städte und Gemeinden haben im Rahmen von kommunalen Satzungen und Verordnungen für Frei- und Grünflächen die Möglichkeit, umweltfreundliche und biobasierte Anwendungen und Produkte stärker zu etablieren. Das betrifft neben der Verwendung von Erden auch andere Handlungsfelder. Klimafreundliche Produktalternativen aus nachwachsenden Rohstoffen gibt es in nahezu allen Produktgruppen, beispielsweise organische Düngemittel, biobasierte Pflanzenschutzmittel, biologisch abbaubare Schmierstoffe, wie Kettensägenöle oder auch Winterstreumittel. Mit der Auftragsvergabe für Planung, Gestaltung oder Instandsetzung der kommunalen Freiflächen steht die öffentliche Verwaltung in der Verantwortung den Aspekt des Rohstoffverbrauchs mit einzubeziehen und die planerischen Folgen im Blick zu haben.

Die Torfminderungsstrategie in Deutschland

Die Bedeutung torffreier Erden für den Klima- und Umweltschutz ist in der Gesellschaft oftmals noch nicht bekannt. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat deshalb im Zuge des Klimaschutzprogramms 2030 eine spezielle Torfminderungsstrategie für Deutschland gestartet. Sie zielt darauf ab, den Einsatz von Torf als Kultursubstrat und Bodenverbesserer so weit wie möglich zu verringern und, wo immer dies machbar ist, ganz auf dessen Einsatz zu verzichten.

Die ganzheitliche Strategie richtet sich gleichermaßen an Verbraucher, den Erwerbsgartenbau sowie die öffentliche Hand.

Gütezeichen geplant

Parallel zu den Informations- und Forschungsprogrammen wird an einem internationalen Zertifizierungssystem für Torfersatzstoffe gearbeitet, welches die gesamte Wertschöpfungskette umfassen soll – von der Gewinnung bis zur Inverkehrbringung des Substrates.

Torffreies gärtnern in einer kommunalen Beetanlage, Quelle: smuki - stock.adobe.com
Torffreies gärtnern in einer kommunalen Beetanlage, Quelle: smuki - stock.adobe.com

Markterkundung

Im Auftrag des BMEL hat die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe  e.V. (FNR) auf https://torfersatz.fnr.de/torfersatz/produkte eine Datenbank für torffreie Substrate erstellt, welche aktuell über 250 am Markt verfügbare Produkte listet. Überdies enthält die Datenbank "Die nachwachsende Produktwelt" zahlreiche weitere biobasierte Produktalternativen aus dem Bereich Garten- und Landschaftsbau: www.die-nachwachsende-produktwelt.de 

 

Veranstaltungshinweis: Online-Seminar am 27. April 2023

Im Rahmen der Online-Seminarreihe „Nachhaltige Beschaffung mit nachwachsenden Rohstoffen“ bietet die FNR ab 2023 ein Seminarmodul zum Thema „Torfminderung und Kreislaufwirtschaft im kommunalen GaLaBau“ an. Es richtet sich an kommunale Entscheider wie Bürgermeister, deren Planungsstab, kommunale Umweltmanager, Mitarbeiter in kommunalen GaLaBau-Betrieben, Stadtgrünämtern sowie Beschaffungsstellen und Vergabeverantwortliche. Die Teilnahme ist kostenfrei. 

Programm: https://veranstaltungen.fnr.de/nachhaltige-beschaffung/programm


Jetzt registrieren: https://veranstaltungen.fnr.de/nachhaltige-beschaffung/anmeldung­

 

Fachberatung Nachwachsende Rohstoffe im Einkauf
Weiterführende Informationen aus dem Bereich „Nachwachsende Rohstoffe im Einkauf“ erhalten Sie auf dem Themenportal Beschaffung der FNR: nachhaltige-beschaffung.fnr.de. 

Ansprechpartnerin: Ute Papenfuß
Tel 03843/6930-256
E-Mail: u.papenfuss(bei)fnr.de

Torffreie Produktalternativen aus dem Gartenbau. Quelle: FNR/Kirchner
Torffreie Produktalternativen aus dem Gartenbau. Quelle: FNR/Kirchner